Olag Georg Klein

Pressereaktionen auf "Nachzeit"

Taz

Gute Schüler – Ein Roman auch über Tschernobyl ... In dem schon 1988 abgeschlossenen Buch "Nachzeit" des Ost-Berliner Autors, das erst jetzt 1991 erschienen ist ... nimmt (er) Motive des 1979 erschienenen Buches Mars von Fritz Zorn auf. Aber radioaktive Verseuchung ist keine Metapher mehr.

Deutschlandsender Kultur

Nachzeit: "Der Titel ist nicht nur dem Inhalt des Buches Verpflichtet, es gilt gleichzeitig für dessen Schicksal ... Nicht zu seiner Zeit, in der es entstand, und der es geschuldet ist, kommt es an die Öffentlichkeit, sondern dazu bedurfte es der heutigen, so veränderten Nachzeit. Dabei ist es ein Buch ohne jede Polemik, ohne laute, drohende Sätze ... Dennoch ertrug die DDR dieses Buch nicht und stellte sich seinem Erscheinen in den Weg. Sie ertrug das Buch nicht, weil trotz des Verzichts auf jede äußere Benennung, es ein Buch ist, das das Dilemma des realen Sozialismus Schicht um Schicht freilegt, bis die große existentielle Lüge, den Anschein von Wirklichkeit als Wirklichkeit zu oktroyieren ... in ihrer fatalen inhumanen Konsequenz dasteht. Das unumgängliche Ende des unrealen Systems wird in dem Buch am Beispiel eines Einzelschicksals parabelhaft zum Menetekel ... Olaf Georg Klein versetzt in seinem Buch "Nachzeit" gesellschaftliches Versagen aus der schonenden Abstraktion von Zahlenkolonnen in die erschütternde Faßlichkeit eines menschlichen Schicksals. Ein Versagen, das, auch wenn der reale Sozialismus die historische Bühne geräumt hat, als permanente Gefahr nicht aus der Welt ist. Insofern kann von Nachzeit nicht die Rede sein.

Tribüne

"Christa Wolf mußte man heißen, um in einem DDR-Verlag mit einer "Störfall"-Story durchzukommen. Abgeblitzt war Olaf Georg Klein mit seiner Störfall Geschichte "Nachzeit" Das Buch ist näher am Geschehen, als Christa Wolf das sein konnte und wollte. Das Buch ist weiter weg von der reflektorischen Durchdringung des Themas, die Christa Wolf probierte. Das Thema ist direkt. Es betrifft die Existenz einer jungen Frau, die nah des Unfallortes studierte und mit der Vermutung leben muß, verstrahlt zu sein ... Das individuelle Scheitern steht für das Scheitern einer Gesellschaft ...

Rhein-Main-Presse

Sprachlosigkeit wurde zum Schreibanlaß ... 1988, noch vor der Wende hat er sein Buch verfasst, zu einer Zeit, wo in der ehemaligen DDR noch nicht offen und offiziell über das gesamte Ausmaß des Unglücks in Tschernobyl gesprochen werden konnte.

Die Kirche

"Und wir waren gute Schüler. Wir haben gelernt, gerade den als Feind, als Panikmacher anzusehen, der die Dinge bei ihrem Namen nennt, der unser Netz von Täuschung und Selbsttäuschung zerreißt." Solche Reflexionen machen die NACHZEIT auch heute lesenswert.