Olag Georg Klein

Pressereaktionen auf "Plötzlich war alles ganz anders – Deutsche Lebenswege im Umbruch"

Süddeutsche Zeitung

Von Hoffnungen und Enttäuschungen handelt dieser Band, vom Leben in der DDR, von Mut und Feigheit, von alten und neuen Ängsten; von den Zuständen heute, da man sich neu anpassen muß, manchmal auch duckt oder DVU wählt. ... Einzelne Lebensläufe, so spannend, wie Menschen nun einmal sind. Nicht eine, aber viele Antworten – auch auf die Frage, was es bräuchte, damit einer auch in der neuen Republik den aufrechten Gang gehen kann.

Der Tagesspiegel

Mindestens ebenso wichtig erschien es ihm, nonverbale Aussagen, Zwischentöne und Nuancen, Sprünge und Wiedersprüche wahrzunehmen, um sich und dem Leser ein Bild machen zu können, wie die Menschen den Niedergang der DDR, "eine Art kollektiven Herzinfarkt", erlebt haben und wie damals und heute "erfülltes menschliches Leben erschwert oder unmöglich gemacht wird". Die auf diese Weise entstandenen Texte sind weder der reinen Dokumentation noch fiktionaler Literatur zuzuordnen. Sie stellen eine Mischform aus Protokoll, Nacherzählung, Collage und Fiktion dar. Es ist nicht Authentizität, die der Autor anstrebt, sondern eine gewisse idealtypische Generalisierung.

WAZ

Olaf Georg Klein braucht ... keinen Romanstoff, um das diffuse Profil jüngster deutscher Geschichte als facettenreiches menschliches Antlitz zu füllen. ... Das alles gestaltet sich dank des souverän gestalteten Perspektivenwechsels in mutiger Offenheit und bisweilen erschütternder Demaskierung einer Zeitenwende, die viele, viele Opfer hat.

Ostseezeitung

Jeder hat diesen Infarkt auf andere Weise erlebt. Die einen hatten die DDR gemocht, die anderen sie gehaßt. Enttäuschungen, Verletzungen und Einsichten sind in den Texten aufgearbeitet. Die Befragten sehen auch ihre heutige Situation kritisch.

Norddeutsche Neueste Nachrichten

Mit der inquisitorischen Parzellierung des Lebens in "richtig" und "falsch" hat Olaf Georg Klein nichts am Hut. Er sieht wohl, daß bestimmte Teile der Überzeugungen, Auffassungen und Bekenntnisse seiner Interviewpartner in das jetzige Gesellschaftssystem passen und andere nicht passen. Das kann nur dann etwas mit "richtig" und "falsch" verwechselt werden, wenn man bewußt vom sichtbaren Fiasko der Blitzvereinigung abzulenken und den Ostdeutschen nachgerade eine Kollektivschuld zu suggerieren sucht. Doch Olaf Georg Klein spricht vom "kollektiven Herzinfarkt", der ein ganzes Wertesystem veränderte.

Braunschweiger Zeitung

Wie beim Ping - Pong läßt Klein abwechselnd Mitläufer und Kritiker zu Wort kommen. Daß er Klischees mit Zwischentönen aufhellen kann, ist Verdienst des Schicksal-Sammlers. ... Olaf Georg Klein gelingt auch hier die richtige soziologische Melange ... ein wichtiges Buch, das diejenigen zur Hand nehmen sollten, die sich nicht mit dem Holzschnitt vom typischen Ossi begnügen wollen.

Orientierung (Zürich)

Der Leser wird in verschiedenste Lebensumstände, Bewältigungsstrategien, politische Perspektiven, Gefühlswelten, Sprachkulturen hineingenommen. Es ist ein schriftstellerisches Werk, kein Dokumentarband, der wirkliche Intensivinterviews enthält. ... So läßt er durch mehrere seiner Erzählerinnen und Erzähler teilhaben an den vielfältigen Ansätzen einer alternativen Lebenshaltung in dem nur nach außen straff organisierten sozialistischen Staat. Bücher wie das von Olaf Georg Klein helfen mit, Klischeevorstellungen und Geschichtsklitterungen über das zu verhindern, was sich vor und nach 1989 in den "fünf neuen Bundesländern" abgespielt hat.

Aufbau, New York

Die zwölf Monographien... lesen sich, als säße man ihnen gegenüber und höre ihren Beschreibungen zu. ... Während der Lesungen in New York und Washington ... weckte er das Interesse von Amerikanern und in den USA lebenden Deutschen. Bei der Lektüre seiner Erzählungen, Gedichte und Bücher wird rasch deutlich, warum: Die deutsche Wiedervereinigung, die aus der Ferne schwer wahrnehmbar ist, beschreibt kaum jemand trefflicher als Olaf Georg Klein. ...
Vorschnelle Urteile müssen überdacht werden, denn Klein läßt seine Porträtierten, deren Berichte er literarisch ausgestaltet hat, ausreden und den Leser so zur kritischen Selbstbefragung herausfordern. Dieses Buch öffnet tiefere Einsichten in die deutsche Gesellschaft nach der Wende.

Das Parlament

Zum einen umfaßt er chronologisch bereits die ersten Jahre deutsch-deutscher Einheit und vermittelt so weitere Erfahrungen des neuen Zusammenlebens, des Sichzurechtfindens, aber auch der zunehmenden Einsicht, die eigene Biographie und eigene Verhaltensweisen gegenüber westlichen Ansprüchen und Zumutungen nicht zu verleugnen. Zum anderen sind die hier beschriebenen Lebenswege insofern "verdichtet", als sich der Autor... die Freiheit genommen hat, das jeweils Typische seiner vielfältigen Erfahrungen aus den Gesprächen auf einzelne Personen zu konzentrieren.

Deutsche Lehrerzeitung

Für sich einen Lebenssinn zu finden, in und vielleicht durch Zeiten gesellschaftlicher Umbrüche, steht als unausgesprochene Frage hinter jedem dieser Lebensschicksale. ...
Kleins Buch zielt nicht auf vordergründige Wertung. An beispielhaften Schicksalen wird jüngste deutsche Geschichte personifiziert ... Sie zeigt, wie vielschichtig und auch widersprüchlich Denken und Tun in einem auf Konformität ausgerichteten System war. ...
Der Autor ... ist seinem eigenen Anspruch gerecht geworden, "deutsche Lebenswege im Umbruch" – so der Untertitel - anschaulich vorzustellen.

Berliner Lesezeichen (Literaturzeitung)

Vielleicht ist es gerade die Zwiespältigkeit, die einen beim Lesen befällt, weshalb man die Texte mit Spannung liest. ...
Es gibt das Leben pur, pralle Wirklichkeit aus erster Hand. Das hat was Aufstörendes.

Walter Bindemann

Die Interviewten sind ... normale Menschen in Mittelgröße. Trotzdem liest das Buch sich spannend. Denn Olaf Klein läßt seine Gesprächspartner mit eigener Stimme sprechen. Er behandelt die Personen, die in seinem Buch zu Wort kommen, mit dem wachen Gefühl dafür, was jede und jeder einzelne zu sagen hat. Sie reden, wie sie denken und leben ... Das Buch ist mehr als eine Sammlung von Zeitdokumenten. Es kann helfen, das Transzendente im Immanenten aufzuspüren.